Guter Sex: Schmeckt am besten, wenn man ihn wie Pizza genießt

In der Sexualberatung höre ich häufig, dass Menschen keine Lust mehr auf Sex haben. Die Lustlosigkeit – DER Klassiker! Die entscheidende Frage ist jedoch: Was steckt hinter dieser Lustlosigkeit? Und eine häufige Antwort auf diese Frage lautet: Weil der Sex schlecht ist! Genau dazu möchte ich heute den Gedanken mit euch teilen: Wieso guter Sex am besten schmeckt, wenn man ihn wie Pizza genießt! Und dieser Gedanke könnten eure Gedanken – über die gemeinsame Sexualität – grundlegende verändern!

Guter Sex: Und was er mit Pizza zu tun hat

Ich spreche in der Sexualberatung zumeist mit Menschen zwischen 35 und 60 Jahren, die heute mit ihrer partnerschaftlichen Sexualität unzufrieden sind! Ihr seht also schon: Die Problematik hat nichts mit dem Alter oder der Beziehungslänge zu tun. Aber worum gehts denn jetzt genau?

Ein durchaus häufiger Ursprung dieser Unzufriedenheit

Die meisten Paar hatten zu Beginn ihre Beziehung tollen Sex, der sich jedoch nach und nach verändert hat. Verändert dahingehend, dass sich irgendwann ein Muster eingespielt hat. Ein immer wiederkehrendes Ablauf-Muster, wie die Sexualität funktioniert. Und von Mal auf Mal – null, nada, immer wenig Spaß macht. Was sich jedoch zumeist erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt zeigt.

Wovon genau spreche ich?

Häufig kristallisiert sich in Partnerschaften ein recht leistungsorientiertes, sexuelles Ablauf-Muster heraus.

Achtung, jetzt wird´s plakativ:

  • Einem unromantischen: „Wie wärs, haben wir heute wieder mal Sex?“.
  • Folgt ein (oft) viel zu kurzes Vorspiel, weil „der Hauptakt“ im Fokus steht.
  • Und schon folgt die körperliche Vereinigung.
  • Schneller, weiter, höher, stoßend, wird einem angelernten Stellungs-Muster gefolgt.
  • Mit dem klaren Ziel: Orgasmus. Also mindestens einer von beiden soll einen erleben.
  • Zumeist ist dies der Mann. Wobei die Frau evtl. bereits in der Mitte des Aktes emotional ausgestiegen ist und ihre – ebenfalls gut gelernten – Taktiken einsetzt, damit es „bei ihm“ schneller geht, da sie schon gedanklich die To-Do-Liste für morgen schreibt.

Eines ist klar:

Diese Form der Sexualität war einmal gut und hat sich bei dem Paar über lange Zeit bewährt. Mit Betonung auf WAR. Denn: Selbst wenn deine Lieblingsspeise Spagetti Carbonara ist. Wie sehr werden sie dir schmecken, wenn du sie über Jahre so regelmäßig essen müsstest, wie du vielleicht Sex haben möchtest?

Nun stellt sich die Frage:

Wie kommen wir da wieder raus? Wo ist der Notknopf, um endlich wieder neue Wege einzuschlagen. Wie kommen wir dorthin, dass wir wieder voller Euphorie sagen können:

Guter Sex! Ja, den gibt´s bei uns zuhause!

Guter Sex: Schmeckt am besten, wenn man ihn wie Pizza genießt

Guter Sex kann stärken, nähren und Impulse setzen

Dass diese Form der „allzu eingespielten“ Sexualität nach einiger Zeit an Kraft verliert, ist leider eine normale Schlussfolgerung. Denn sie stärkt nicht, nährt nicht, gibt keine Impulse. Sie lässt das Blut nicht wallen. Bringt selten eine Frau zum (wahren) stöhnen und sie erfüllt in Summe auch keinen Mann, der an seiner Partnerin (noch) echtes Interesse hat…

Die Bereitschaft zum Sex und sich überhaupt darauf einzulassen nimmt ab. Denn es macht einfach keinen Spaß mehr!

Und sobald es für beide auf gegenseitige Unbefriedigtheit hinausläuft, lässt man es vielleicht lieber ganz bleiben.

Über bleiben: Zwei Menschen, die sich zwar liebend verbunden fühlen, aber schwer unglücklich mit ihrer fehlenden Sexualität sind – fehlend, weil es SO nicht mehr passt!

Guter Sex: Und was er mit Pizza zu tun hat

Doch wie manövrieren wir uns nun aus dieser Sackgasse heraus? Ist man mit 40+ nicht vielleicht zu alt dafür, um sich gegen ein altes Verhaltens-Muster zu stellen und etwas ganz Neues anzugehen? Dazu ein ganz deutliches und groß geschriebenes: NEIN!!!

Einen wundervollen Gedanken-Impuls hat der amerikanische Sexualpädagoge Al Vernacchio eingebracht (feines Video dazu ebenfalls im Artikel von liebenslust).

Er empfiehlt, Sexualität nicht mehr länger mit Sport zu vergleichen… denn dabei geht es immer ums Ziele erreichen, ans Ziel zu kommen, zu gewinnen. Und wir sind doch schon in so vielen Lebensbereichen unwahrscheinlich leistungsorientiert… darauf dürfen wir beim Sex sehr gerne verzichten!

Viele anregender ist sein Alternativ-Gedanke:

Sex mit Pizza zu vergleichen und sich die vielseitigen, warmen, weichen, Gaumenfreuden auf der Zunge zergehen zu lassen!

Guter Sex: Schmeckt am besten, wenn man ihn wie Pizza genießt

Motivation voraus!

Wer etwas an seiner bisher gelebten Sexualität ändern möchte, sich öffnet und es zulässt umzudenken, ist den ersten Schritt bereits gegangen! Und das hat nichts mit dem Alter und der Vorerfahrung zu tun.

Ja, klar, es ist Neuland, aber die meisten verreisen doch gerne auf andere Kontinente – wieso also nicht den neuen, lustvollen Kontinent der gelungenen Sexualität erkunden?

Guter Sex führt: Weg von – hin zu!

Alle, die nun Lust bekommen haben, können ein Experiment wagen:

WEG VON:

Unserem gelernten Ablauf-Muster, gleichen Stellungen, gleichen rhythmisch-stoßenden Steigerungsstufen, der Haltung: Orgasmus ist alles.

HIN ZU:

Sinnlichkeit, Nähe, Zärtlichkeit, Austausch, Erotik, dem Spielerischen am Liebesspiel. Und das kann bedeuten: reden, tuscheln, flüstern, küssen, streicheln, reiben, gleiten, eindringen, ineinander verweilen,  hinaus gleiten, getrennt bleiben, verführen, massieren, verwöhnen, verwöhnen lassen, Rhythmus halten, Rhythmus unterbrechen, schwitzen, pulsieren, atmen, stöhnen, locker lassen, spielen, einmal DIE eine, einmal DER andere…. die Wogen von erhebender, glückversprechender, erfüllender Sexualität in uns aufnehmen.

Und um dem Orgasmus-Druck tatsächlich ein ganz klares Schnippchen zu schlagen, eine Anregung, die im ersten Moment vielleicht auf Ablehnung stößt: Wenn es für euch gerade am aller schönsten ist – könnt ihr einfach aufhören!

Denn: Sexualität bedeutet nicht, dass ihr leistungsorientiert auf den Höhepunkt zusteuern MÜSST. Nein, ihr könnt die Spannung auch behalten, könnt erregt, aber erschöpft einschlafen. Ihr könnt diese Erregung in den nächsten Tag mitnehmen und damit Bäume ausreißen. Und ihr könnt am nächsten Tag die Wiedervereinigung so richtig zelebrieren…. wenn ihr dem Spiel „dann schon eine Ende“ setzen wollt, könnt ihr nun immer noch den Höhepunkt ansteuern!

Lass dir Pizza und Sex schmecken – genau so, wie du es heute gerne haben möchtest

Guter Sex! Da ist so vieles möglich! Das einzige, was wir dafür tun „müssen“, ist, dass wir uns neuen Spielregeln stellen! Und dabei ist der Vergleich zwischen Sexualität und Pizza einfach grenzgenial! Denn:

  • Ich will nicht jeden Tag Pizza – nur wenn ich richtig Gusto darauf habe.
  • Dafür möchte ich, wenn ich Pizza möchte, immer einen anderen Belag, denn meine Ge-Lüste sind eben unterschiedlich.
  • Das Bestell-Service ist sehr wichtig – damit der andere auch weiß, worauf ich Lust habe.
  • Nun kann ich kosten, genießen, es mir so richtig schmecken lassen.
  • Und, so gut die Pizza auch sein mag, manchmal ist sie noch nicht aufgegessen, aber ich kann oder will nicht mehr. Bis hierher habe ich es unwahrscheinlich genossen, aber jetzt bin ich satt. Ihr seid am schönsten, gemeinsamen Punkt für heute angekommen. Und darüber hinaus MUSS einfach überhaupt nichts mehr passieren!
  • Übrigens: Dazwischen darf´s – auf Wunsch – natürlich auch wieder euer gelerntes Muster sein… denn, wie bei Pizza, folgt man seinem Gusto!

Egal ob ihr frisch beisammen, jung geblieben, dauerhaft verbunden oder alt eingesessen seid… wer seine Sexualität wie eine kulinarische Leckerei genießt, hat Potential auf viel und noch viel mehr! Genießen heißt die Devise! Sich, den anderen, das gemeinsame Tun!

Ich wünsche euch unwahrscheinlich viel Vergnügen – beim Experimentieren, Gustieren und es euch so richtig schmecken lassen!

Viele beflügelte Grüße
Petra

PS: Die Anregung zum Gedanken „Sex mit Pizza zu vergleichen“ kam von liebenslust – Zentrum für Sexuelle Bildung. In dem sehr lesenswerten Artikel geht es um Pornografie. Wie sich Pornografie auf Sexualität, Selbstbild und Körperbewusstsein von Jugendlichen auswirkt. Und gibt interessante Impulse, wie wir proaktiv mit einwirken können, damit sich „unsere“ Jugendlichen ein gesundes Bild von Sexualität verschaffen können.

Bildrechte Pizza-Sujet liegen bei: liebenslust – Zentrum für Sexuelle Bildung

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Danke für diesen Artikel, du sprichst mir aus der Seele. Leistungs- und Zielorientierung in der Sexualität wird immer unbefriedigend sein. Es geht um die Qualität der Zeit die man da miteinander verbringt, in Liebe und voller Präsenz, sich dem Partner auf allen Ebenen öffnet, mit dem Herzen dabei ist und das göttliche im Anderen zu erkennen.

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