Letzte Woche haben wir uns mit dem Gedanken beschäftigt, vor welchen Hemmungen und Mauern wir stehen, wenn wir zwar unzufrieden mit unserer partnerschaftlichen Sexualität sind, es uns aber nicht anzusprechen trauen. Dieses Mal möchte ich euch gerne ein paar Impulse geben, wie ihr die Hürde nehmt und in ein – Möglichkeiten eröffnendes – Gespräch mit eurem Partner/eurer Partnerin einsteigt.

 

Wie letzte Woche angesprochen, stehen wir gerade auf dem Standpunkt:
„Ja, ich bin definitiv mit unserer Sexualität unzufrieden. Ich weiß, dass ich etwas verändern möchte. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie ich das anstellen soll, aber ich weiß: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, es anzugehen!“

Allzu oft wissen wir genau was wir in unserer Sexualität nicht wollen! Und das ist, auf Basis des Ausschlussverfahrens, schon einiges an Wissen!

Stülpen wir dieses Wissen nun aber spontan und überraschend unserem Partner/unserer Partnerin über, kann das ziemlich schnell als Kritik bei unserem Gegenüber ankommen. Sie kann als „verhüllte“ Anschuldigung empfunden werden. Dass der/die Andere an dem ganzen Schlamassel schuld, nicht einfühlsam genug ist. Oder überhaupt einfach ein schlechter Liebhaber/eine schlechte Liebhaberin ist… Was folgt ist menschlich: Abwehr und Gegenwehr. Dann knallt einem – so schnell kann man gar nicht schauen – eine massive Antwort um die Ohren, die (oft auf beiden Seiten) keine Offenheit mehr für ein weiterführendes Gespräch möglich macht.

 

Ein zielführender erster Schritt

Gehen wir also erst einen Schritt zurück. OK, wir wissen, was wir nicht mehr wollen. Aber können wir auch in Worte fassen, was wir wollen?

Ein zielführende Schritt ist: Immer noch bei uns selbst zu bleiben und uns zu hinterfragen: Was will ich denn nun aber wirklich?

Eine durchaus knifflige Frage, die wahrscheinlich einige Zeit braucht, um beantwortet zu werden. Aber sie zahlt sich aus, denn: Ich gehe es damit selbstbestimmt an! Ich lagere mein sexuelles Glück nicht an meinen Partner/meine Partnerin aus, sondern ich schaue, was ich wirklich gerne möchte und bin damit in der Lage Lösungsvorschläge und klare Wünsche einzubringen. Und wer klar weiß, was er will, hat auch die Chance darauf, die eigenen Wünsche erfüllt zu bekommen.

 

Einige Bespiele für ein Selbst-Interview:
  • Was möchte ich in unserer Sexualität anders haben? Und weshalb?
  • Was wünsche ich mir für die Zukunft?
  • Was brauche ich, um mich zu öffnen und mich fallen lassen zu können?
  • Was finde ich erregend und lustvoll?
  • Was lässt meine Libido steigen und mein Gedanken-Kino abheben?
  • Was führt dazu, dass ich unsere Sexualität wieder so richtig genießen kann?

Und schau auch in die andere Richtung:

  • Was bedeutet das alles wundervolles für dich?
  • Was möchte ich wahnsinnig gerne wieder für dich tun, um dich glücklich zu machen?
  • Wie können wir unser erotisches Potential vervielfältigen?

 

Zeichne ein Big Picture

Mit unserem neuen Wissen vollgepackt, ganz vielen Ideen im Köfferchen, möchten wir nun auf die lang ersehnte Reise zu unserer „neuen Sexualität“ gehen. Aber wie steige ich jetzt in so ein Gespräch ein? Wie schaffe ich es, meine eigene Aufregung zu lindern und den/die Andere*n so abzuholen, dass er/sie auch offen ist und bleibt?

In diesem Zusammenhang eine meiner absoluten Lieblings-Buchzeile – zum wirken und nachwirken lassen:

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer!“  (Antoine de Saint-Exupery)

Und ihr könnt davon ausgehen, dass irgendwo in eurem Partner/eurer Partnerin ebenfalls eine tiefe Sehnsucht steckt. Die aktuell vielleicht verschüttet ist, aber durchaus wieder freigelegt werden kann.

Gute Einstiegs-Sätze haben es in sich!
Sie eröffnen Bilder im Kopf!
Sie bringen Emotionen zum Vorschein!
Und sie schaffen Raum für Gespräche!

Wie wäre es also, mit einem Highlight aus eurer gemeinsamen sexuellen Vergangenheit?

Liebling, kannst du dich noch an unser sexuelles Erlebnis …. erinnern?
Ich weiß, es ist schon lange her, aber…
Wenn ich mir diesen Moment in Erinnerung rufe, dann…
Es verschafft mir immer noch den Hauch von…
Ich bin berauscht von dem Gedanken, dass….
Eine Hitze steigt mir durch den Körper, wenn….

Und ich habe mir einige Gedanken gemacht, wie wir diese Lust wieder ins Lodern bringen können. Denn, das wünsche ich mir – für uns beide!

 

„Bilder im Kopf“ erzeugende, positive Einstiegs-Sätze haben eines gemeinsam:
  • Sie graben in der gemeinsamen Erfahrungs-Kiste! Es geht um nichts fiktives, nichts unrealistisches, sondern um wundervolle, bereits erlebte Gemeinsamkeiten!
  • Sie zaubern ein Lächeln auf die Lippen des Gegenübers. Bindungshormone werden aktiviert. Eine tolle Ausgangslage, um sich in die Thematik zu vertiefen!
  • Sie eröffnen einen Möglichkeitsraum für weitere Gespräche (ohne Anschuldigung) und machen frei, für neuen Input von beiden Seiten.

 

Vorsicht Falle!

Der richtige Moment ist entscheidend, denn wie heißt es so schön: Timing ist das halbe Lebe! Und in diesem speziellen Fall ganz besonders!

Wenn der Partner/die Partnerin eine Auseinandersetzung mit dem Chef hatte, sich auf eine mega Präsentation vorbereiten muss, die Waschmaschine kollabiert ist und einen Wasserschaden verursacht hat… So sehr es auch brennt, den Umbruch anzustoßen, wartet auf den richtigen Moment bzw. stellt ihn bewusst her!

Schafft euch Raum, um in Ruhe sprechen zu können. Euer Big Picture zeichnen zu können. Die Bilder im Kopf und im Herzen (wieder) entstehen zu lassen. Schafft euch Zeit, um euch gemeinsam auf das Thema einzulassen und Gedanken auszutauschen.

  • Geht aus den eigenen 4 Wänden hinaus.
  • Trefft euch in einem Cafe eurer Wahl, wo man sich ungestört zurückziehen kann.
  • Oder macht einen Spaziergang in der Natur. Grün wirkt besänftigend und das nebeneinander gehen hat mehrere Bonuspunkte: Ihr geht miteinander in die gleiche Richtung (hat einen schönen symbolischen Charakter). Und es nimmt das Konfrontative, denn ihr müsst euch nicht direkt in die Augen schauen. Das hilft ungemein beim Gedanken sammeln und das „darüber sprechen“ fällt deutlich leichter.

 

Behaltet im Hinterkopf

Ihr habt euch tagelang, vielleicht sogar wochenlang, mit eurem Anliegen und euren Wünschen beschäftigt. Eurem Partner/eurer Partnerin ist es unmöglich, dass innerhalb von Minuten nachholen. Die neuen Informationen und euer neues, sexuelles Beziehungs-Angebot, soll nun auch etwas sacken und nachwirken dürfen. Damit der riesige Gedanken-Vorsprung, den ihr voraus habt, auch von ihm/ihr nachgeholt werden kann. Gebt eure Fragen, die ihr euch gestellt habt weiter und lasst ihn/sie selbst in sich hineinschauen und die eigenen Wünsche ergründen.

Und dann: Bleibt dran! Macht euch einen verbindlichen Termin aus, wo ihr weiter an eurem nächsten Schritt zu beflügelter, geglückter, verschwitzter Sexualität feilt!

 

Ich wünsche euch mächtig viel Vergnügen dabei, euch selbst zu ergründen und einen tollen Start, in ein belebendes und erregendes Gespräch mit eurer/eurem Liebsten!

 

 

Unsere Sexualität soll sich verändern! Aber: Wie sage ich dir das nun?!

Petra Steiner

Ist Expertin für beflügelte Sexualität. Sie vermittelt in ihren Beratungen den Zugang zu freier, lockerer und luftig gelebter Sexualität. Mit der von ihr entwickelten Methode: 6+1 „In 7 Schritten zu beflügelter, geglückter, verschwitzter Sexualität“, begleitet sie Frauen und Paare auf ihrem Weg in ein erfülltes, glückliches Sexualleben.

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