Schauen wir kurz zu den Paaren. Wie kommt man zur Veränderung und wieder gelebter Sexualität?

Der berühmte amerikanische Paar- und Sexualtherapeut, David Schnarch, hat es in einem Interview direkt auf den Punkt gebracht: „Wer sich nicht entwickeln will, weil es zu anstrengend ist, wird eine Affäre haben, sich scheiden lassen, oder in völlige Gleichgültigkeit verfallen und eine schreckliche Beziehung führen.“ (Bezugnahme auf sexuell unzufriedene Paare, http://www.zeit.de/lebensart/partnerschaft/2012-05/schnarch-partnerschaft-sexualitaet).

Die Aussage klingt im ersten Moment hart. Viele werden jedoch aus dem eigenen Erleben wissen, dass sie ihre Richtigkeit hat.

Das Motto lautet: Weiterentwicklung! Sexuelle Lust und Leidenschaft sinkt in beständigen Paarbeziehungen ab. Das hat nichts mit der Liebe oder dem sich noch Gefallen zu tun. Sie bleibt nicht selbstverständlich, sie geschieht auch nicht einfach – Lust muss gewollt und aktiv am Leben gehalten werden. Wenn ein Paar nun nur den „goldenen, sexy“ Zeiten nachtrauert und die Welt nicht mehr versteht, weil das verloren scheint, dann Blicken sie in eine Sackgasse.

Wer sich diesen – absolut normalen Prozess – eingesteht und dran bleibt, wird es erreichen, dass auch über viele Jahre eine lustvolle Liebesbeziehung möglich bleibt. Aus meiner Sicht gilt also ein klarer Appell – egal ob Single oder Paar: Der Wille etwas zu verändern zählt. Dran bleiben. Sich neue Wege eröffnen. Seine Sexualität abenteuerlustig anpacken! Sich als Wissenschaftler sehen, probieren und damit die Grenzen des bisher vorstellbaren sprengen!

 

Was macht denn nun eine/n gute/n Sexualberater/in aus?

Da die Themenfelder sehr breit sind, braucht Sexualberatung viel Fachwissen. Das reicht von der sexuellen Entwicklung, über anatomisches Wissen, Prozesse in Kopf und Körper, Verhütung und Reproduktion. Bis hin zu Paardynamiken und natürlich einer Methodenvielfalt, um Muster aufzuzeigen und dabei zu unterstützen, sie aufzubrechen.

Da wir uns in einem überaus sensiblen Bereich bewegen, muss die Fähigkeit gegeben sein, eine starke Vertrauensbasis herzustellen. Um eine Atmosphäre zu ermöglichen, in der es überhaupt möglich wird, über Sexualität zu sprechen. Hier wird das Stichwort „Ent-ängstigen“ großgeschrieben.

Die Person kann sich auf die Lebenswelt des Klienten/der Klientin einlassen. Und stellt in weiterer Folge gezielt Fragen, um Denkanstöße zu geben, Ressourcen zu aktivieren und neue Herangehensweisen zu eröffnen. Gemeinsam betrachtet man das gesamte Umfeld und sucht nach Potentialen, in denen weiteres Potential steckt.

Niemals werden Ratschläge aus eigener Erfahrung oder Wertungen abgegeben, genau so wie das besagte „Schubladen-Denken“ – das alles hat in einer Beratung keinen Raum.

Ganz im Gegenteil: In einer Sexualberatung können Antworten auf Fragen gegeben werden, die man sich vielleicht noch nie zu stellen getraut hat. Mit offener Haltung wird über alles gesprochen, was bewegt. Und das in einem Umfeld, wo 100 % Vertraulichkeit garantiert ist.

 

Aber wie kann man sich denn nun so eine Sexualberatung vorstellen?

Der Prozess beginnt mit dem Kennenlernen. Man kann sich einen ersten Eindruck verschaffen, es wird ein Bild über die Thematik vermittelt und man bespricht Formalitäten. Im weiteren Verlauf wird in einer wertschätzenden, respektvollen Umgebung, über – bisher vielleicht unmöglich anzusprechendes – gesprochen.

Gemeinsam sieht man sich an, welche bisherigen Erfahrungen es gibt, wo die Entwicklung hin gehen soll und wie man dorthin kommt. Es geht um Wünsche, Bedürfnisse und natürlich auch um Unerfülltes. Ganz ehrlich: Das kann manchmal erschüttern – aber genau darin liegt etwas unglaublich bereinigendes. Ein neu entdecken von sich selbst! Der große Aha-Effekt: „Das habe ich so noch nie formuliert!“ oder „Das habe ich mich noch nie zu sagen getraut!“ – eröffnet immensen Raum für Neues und für echte Veränderungen.

Die/der Klient/In gibt das Ziel vor und gemeinsam erarbeitet man Lösungsmöglichkeiten, anhand der Ressourcen und der Potentiale des Einzelnen bzw. des Paares.

 

Ein Beratungsprozess besteht aus aus einer Folge an Sitzungen. Man nähert sich seiner Thematik auf Kopf- und Gefühlsebene an. Schaut, was bremst und was es braucht, um die Richtung zu ändern. Die Zeit zwischen den Sitzungen ist besonders wichtig, denn hier können neue Herangehensweisen geübt werden. Man hat Zeit sich zu beobachten, neues auszuprobieren – und sich dabei zu Entwickeln. Eine Prozess-Beratung kann bis zu 10 Sitzungen oder auch mehr umfassen. Das richtet sich ganz individuell am Einzelnen bzw. dem Paar und dem jeweiligen Anliegen.

 

Wenn du – als Sexualberaterin – einen Wunsch frei hättest, welcher wäre das?

Dass die Menschen ihre Scheu über Board werfen und auch in diesem Lebensbereich – völlig SELBSTBESTIMMT– aus dem Vollen schöpfen. Ohne Angst und Tabu. Wenn etwas fehlt/stört/nicht gefällt, aufhören es hinzunehmen, sondern verändern. Sexualität ist Veränderbar!

 

Ein Abschlusssatz?

Erfüllende Sexualität ist oftmals wie ein großer Schatz, der vor einem liegt, aber erst geborgen werden muss.

 

Tabu: Sexualberatung (Teil 3 von 3)

Petra Steiner

Ist Expertin für beflügelte Sexualität. Sie vermittelt in ihren Beratungen den Zugang zu freier, lockerer und luftig gelebter Sexualität. Mit der von ihr entwickelten Methode: 6+1 „In 7 Schritten zu beflügelter, geglückter, verschwitzter Sexualität“, begleitet sie Frauen und Paare auf ihrem Weg in ein erfülltes, glückliches Sexualleben.

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