Suchen Menschen gar nicht nach Lösungsmöglichkeiten?

Doch, absolut! Die Menschen wollen aus einer Unzufriedenheits-Falle hinaus, sie möchten verändern. Meist wird dazu „Dr. Google“ befragt oder auch wirklich interessante Fachliteratur gelesen. Doch dann stehen viele vor der Hürde, dass sich die neuen Inputs nicht ins eigene Leben integrieren lassen. Oft fehlt eine „Anschlussstelle“, wie ich das gerne nennen, die meist erst individuell erarbeitet werden will.

 

Mit welchen Themen gehen Menschen in eine Sexualberatung?

Die Themen sind unsagbar vielfältig: Beginnen bei sexuelle Mythen und der (Ab)Klärung von evtl. falsche Informationen. Gehen über Lustlosigkeit, verloren gegangenes Begehren. Bis hin zu Körperwahrnehmung und der Einstellung zum eigenen Körper. Orgasmusfähigkeit. Sexuelle Identität, sexuelle Orientierung und sexuelle Gesundheit sind ebenfalls große Themen. Ein weiteres Feld sind Kinderwunsch, Verhütung, Schwangerschaft, aber auch Sexualität im Alter bzw. mit Behinderung.

Sehr oft stehen Partnerschaftsprobleme im Mittelpunkt, die sich auf das Sexualleben auswirken. Denn ein wesentlicher Faktor ist: Nichts ist so störanfällig, wie unsere Sexualität! Dabei kann es sich um Treuebruch, Vertrauensverlust oder Eifersucht handeln. Genauso wie um den nicht hinausgetragenen Müll oder den Konflikte mit der Schwiegerfamilie, der in sexuellem Entzug mündet. Vieles hat eines gemeinsam: Mangelnde Kommunikation.

 

Die Scheidungsrate in Österreich liegt bei 41,6 % (2015, www.statistik.at). Leider fehlen die Zahlen, wie viele Scheidungen auf das Konto „Liebes- und Sexlosigkeit, Fremdgehen, Vertrauensverlust“ gehen… mit Sicherheit ein nicht unwesentlicher Teil innerhalb der Begründung „unüberbrückbare Differenzen“.

 

Es wurde mehrfach die mangelnde Kommunikation angesprochen. Was ist damit genau gemeint?

Viele Menschen können nicht oder nur unglaublich schwer über sich, ihre Wünsche und Bedürfnisse sprechen. Einerseits weil sie es wirklich nicht wissen, z.B. was kann ich machen, um mehr Lust zu empfinden. Andererseits weil vielen Menschen die Worte fehlen, z.B. für Ihre Geschlechtsteile, um genaue „Schatzkarten“-Anweisungen zu geben.

Zusätzlich fällt schwer, dass der Partner/die Partnerin es als Kritik auffassen könnte – und man will ja niemanden verletzen. Und oft geht es um den Funken Selbstvertrauen und Mut, der es überhaupt erlaubt, sich und seine Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen.

Dabei ist genau das beim Sex etwas ganz Wesentliches und Bereicherndes für Beide. Obwohl man es miteinander tut, ist jeder für sich selbst verantwortlich – es ist das Um und Auf, dem/der Anderen seine Wünsche zu kommunizieren, um sie auch erfüllt zu bekommen. Und damit beiden Erfüllung zu schenken!

 

Zurück zur Ursprungsfrage. Braucht jetzt also jeder Sexualberatung?

Ich möchte ganz unbedingt weg vom Wort „brauchen“! „Brauchen“ impliziert eine Abhängigkeit („ohne dem, geht´s nicht“) und das schreckt ab. Ist für mich absolut nachvollziehbar, denn jeder möchte (und soll) seine Eigenständigkeit bewahren – ganz besonders in diesem intimen Bereich!

Wer aber seinen Fokus verändert, bekommt auch eine ganz neue Sicht auf die Möglichkeiten. Denn es ist ein riesen Unterschied, ob ich etwas „brauche“ oder ich mich für einen neuen Weg „entscheide“. Ihn „nutze“. Ihn „aktiv in Anspruch nehme“.

Beratung ist eine Dienstleistung – und die kann ich selbstbestimmt wählen! Genau so, wie ich in eine Fitnessberatung, Ernährungsberatung, Erziehungsberatung, etc. gehe. Alles, um mich zu entwickeln, zu stärken und noch mehr für mich/für mein Leben heraus zu holen. Es steht also ein: „Ich will und ich mache es – für mich“ dahinter!

Und genau diese Qualität kann ich mir auch in meine Sexualität holen! Entwicklung im intimsten Sinn! Das „brauch“ ich zwar nicht (…um zu überleben…), aber „ich will“ es, um mein (Sexual)Leben zu verändern/zu verbessern!

Eine ganz wundervolle, befreiende Sichtweise, die eine völlig neue Leichtigkeit hinein bringt!

 

Stimmt, ein einziges Wort kann durchaus zum Hemmnis werden! Formulieren wir um: Sollte nun jeder eine Sexualberatung in Anspruch nehmen?

Nein, jeder braucht sicher keine Sexualberatung! Viele leben eine sehr erfüllende Sexualität. Und andere, sind glücklich und zufrieden damit, auf Sexualität völlig zu verzichten. Alles ist erlaubt und alles ist OK! Wenn aber einer oder beide unzufrieden sind, dann gibt es durch eine Beratung die Möglichkeit etwas zu verändern. Als kleinsten gemeinsamen Nenner, können wir folgende Motivationsfaktoren sehen:

  • Leidensdruck – „etwas soll nicht ein Leben lang so weiter gehen“.
  • Angst – zB wenn man so etwas schon einmal erlebt hat und sich deshalb aus einer Partnerschaft gelöst hat. Das aber so nicht wieder erleben möchte.
  • Weiterentwickeln – es gibt eine Gewissheit, dass es da noch mehr geben muss! Das man Altes hinter sich lassen kann. Aber die Frage lautet: „Wie komme ich dorthin?“

 

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Tabu: Sexualberatung (Teil 2 von 3)

Petra Steiner

Ist Expertin für beflügelte Sexualität. Sie vermittelt in ihren Beratungen den Zugang zu freier, lockerer und luftig gelebter Sexualität. Mit der von ihr entwickelten Methode: 6+1 „In 7 Schritten zu beflügelter, geglückter, verschwitzter Sexualität“, begleitet sie Frauen und Paare auf ihrem Weg in ein erfülltes, glückliches Sexualleben.

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