Reden wir heute über´s Reden! Darüber, wo wir in unserer Sexualität stehen bleiben, wenn wir uns keinen Millimeter vom Fleck bewegen. Darüber, wieso es so wichtig ist, den Anderen/die Andere nicht aus Angst „zu schonen“. Und wieso es so wichtig ist, aus dem Friede-Freude-Eierkuchen-Schongang auszusteigen!  

 

Eine riesige Hemmung, wieso Menschen oft nichts an ihrer unbefriedigenden, partnerschaftlichen Sexualität verändern, steht – wie könnte es auch anders sein – ganz am Anfang. Denn:

Zu aller erst muss ich mir selbst eingestehen, dass ich unzufrieden bin und es für mich so nicht weitergehen kann. Das ist schon mal echt schwierig. Sich dabei in den Spiegel zu schauen und diese Worte für sich zu formulieren. Denn, das könnte Konsequenzen haben. Es könnte bedeuten, dass wir scheitern. Das wir´s gemeinsam nicht hin bekommen. Das wir auf einmal vor noch mehr zerbrochenem Glas stehen als bisher. Das wir uns vielleicht sogar entscheiden müssen. Für eine Partnerschaft ohne Sexualität. Oder vielleicht sogar für einer Trennung, weil es so einfach nicht weitergehen darf. Und alleine diese Gedanken machen riesen Angst!

 

Dann kommt Faktor zwei ins Spiel

Denn: Ich muss es nicht nur mir, sondern auch meinem Partner/meiner Partnerin eingestehen. Wie wird der/die Andere darüber denken? Was werde ich von ihm/von ihr zu hören bekommen? Denn der/die Andere hat natürlich andere Wünsche, andere Erwartungen, andere Ziele. Was, wenn der/die Andere nichts verändern möchte? Was, wenn wir uns gemeinsam für Veränderung entscheiden, aber mit all unseren Bemühungen scheitern? Was könnte das alles für uns bedeuten?! So viele Gedanken, so viele Befürchtungen, so viele Mauern, die einzureißen sind… Bravo, jetzt haben womöglich schon zwei riesen Angst!

 

Aber damit immer noch nicht genug.

Oft ist es so, dass die Lust nicht grundlos verloren gegangen, im Alltag verebbt und eingeschlafen ist. Nein, es gibt dafür vielleicht einen oder zwei oder noch mehr sehr gute Gründe – die jedoch direkt mit meinem Partner/meiner Partnerin zu tun haben.

Was, wenn ich keinen Sex mehr haben möchte,…

  • …weil es mir einfach nicht mehr gefällt, wie er/sie mich berührt?
  • …weil mich unser bisher gelebtes Re­per­toire langweilt und die immer gleiche Abfolge von den gleichen Stellungen mich voll in Abwehrposition gehen lassen?
  • …weil es mich abturned, wenn er/sie spezielle Worte sagt, die mir keine vibrierende Gänsehaut zaubern, sondern mir ein frösteln über den Körper rennen lassen?
  • …weil ich ihn/sie einfach nicht mehr gut riechen kann?

Und ja, all das und noch viele mehr, können Faktoren sein, die einem die Lust rauben. Sie wirken sich vielleicht erst seit ein paar Monaten aus oder aber auch schon seit ein paar Jahren. Was einem zu Beginn gut gefallen hat, kann sich in einem langsam schleichenden Prozess, auf einmal zum „geht einfach gar nicht mehr“ entwickeln.

 

Unter dem Mäntelchen des „Beschützens“

Seit Jahr und Tag denkt unser Partner/unsere Partnerin also vielleicht, dass alles wunderbar ist, …außer, dass wir momentan halt so gut wie keinen Sex haben. Nur „ich alleine weiß“, dass es anders ist. Ich alleine weiß, dass schon lange nichts mehr Friede-Freude-Eierkuchen ist, aber bisher hab ich ja noch nie etwas gesagt. Und mit jedem Tag, der weiter vergeht, wird die Hürde größer!

Der Kopf wird schwer, im Magen grummelts… Diese Wahrheit soll ich meinem Partner/meiner Partnerin nun direkt ins Gesicht sagen? Darauf soll ich ihn/sie ansprechen? Das soll ich nun (endlich) eingestehen? OH NEIN, das kann ich nicht! Das würde ihn/sie doch verletzen. Das möchte ich wirklich nicht! Wenn ich nur daran denke, wie ich ihn/sie damit treffen könnte, da wird mir gleich ganz schwummrig zu mute. Nein, nein, nein!

Und schon stehen wir wieder am Anfangspunkt: Der Kreis schließt sich, wir stecken mitten drin in unserem ängstlichen Schongang, der beiden Seiten nichts bringt… außer vielleicht weitere Perspektivlosigkeit, wenig bis keine Körperlichkeit und wenig bis keine oder unzufriedenstellende Sexualität!

 

Alles, wo es beide Partner braucht, um die Partnerschaft gesund weiterführen zu können, sollte kein Geheimnis bleiben!

Eines ist gewiss: Dieses „schonende Geheimnis“, ist in Wahrheit ein „belastendes Geheimnis“. Denn, anstatt es direkt anzusprechen und sich dem Thema zu stellen, geht man in die Vermeidungshaltung, verzichtet auf Sex und entzieht sich damit dem Partner/der Partnerin….

Das nicht darüber sprechen, schafft also nur noch mehr Distanz und lässt das Gegenüber völlig im Unklaren, das es eigentlich etwas tun gäbe! Da die wenigsten von uns einen „Mentalist“ an ihrer Seite haben, führt einfach kein Weg daran vorbei, offen zu sagen, was Sache ist. Und – der/die Andere hat es auch verdient! Denn, sobald es die gemeinsame Beziehungsqualität betrifft, ist Schweigen, der schlechteste Ratgeber. Der Partner/die Partnerin hat das Recht zu erfahren worum es wirklich geht. Um damit auch die Möglichkeit zu bekommen, den eigenen Teil an einer möglichen Veränderung beizutragen.

 

Zeit, aus dem Friede-Freude-Eierkuchen-Schongang auszusteigen

Wir machen uns ganz viele Gedanken darüber, was alles passieren könnte. Die Angst ist groß. Die Angst vor Veränderung ist noch größer. Aber in Wahrheit, sollten wir endlich den Blick auf das Positive, auf den Gewinn unserer Bemühungen richten! Denn es gibt unglaublich viel zu gewinnen!!

Wer über seine Vorlieben, Wünsche, Ablehnungen, Abneigungen, Frustrationen, Phantasien, Bedürfnisse…. spricht, der kann im Kern gesehen nur eines:

  • Aus dem Schongang aussteigen und damit neuen Schwung ins Sexualleben bringen.
  • Eine neue Qualität in die Paar-Beziehung bringen.
  • Altes hinter sich lassen und sich für Neues öffnen.
  • Ungewolltes verbannen und dafür Gutes weiter ausbauen.
  • Gewinnen! Denn alleine wenn ich für mich spreche, habe ich schon etwas dazu gewonnen – nämlich die Selbstbestimmtheit für mich und meine Wünsche einzustehen!
  • Summa Summarum: Sich, seine Paar-Beziehung, seine Sexualität, auf eine ganz neue Ebene heben!

Das hört sich doch genial an, oder?!!

 

Eine Lanze für´s Sprechen brechen

Eine stabile Partnerschaft hält es aus, wenn über einen bisher „stillen Konflikt“ laut gesprochen wird. Ja, es geht eine Erschütterung durch beide Beteiligte. Aber diese Erschütterung kann die Steine des Beziehungs-Konstrukts wieder auf die gewünschten Plätze rütteln und schütteln. Damit das Partnerschafts-Bauwerk wieder fest und unerschütterlich steht. Und wenn man es gemeinsam zu einer Lösung schafft, wird die Partnerschaft nur noch stärker.

Unser Leben – und ganz besonders unser Sexualleben – ist nicht Schwarz oder Weiß. Es heißt nicht ja oder nein. Für immer und ewig. Sex oder Trennung. Die Sexualität ist in jeder Partnerschaft anders, individuell. Jede und jeder mag andere Dinge, fühlt sich durch andere Gefühle und Berührungen gesehen und wertgeschätzt, braucht und wünscht sich andere Vorgehensweise. Mal möchte man mehr, mal wieder weniger. Alles ist möglich und alles ist drin!

Nein, in der der Sexualität gibt es kein Schwarz oder Weiß – es gibt unendlich viele Schattierungen, die nur du/nur ihr gemeinsam für euch herausfinden könnt!

Beginnt HEUTE damit! Lasst dem Reden seinen Lauf! Sucht euch euren Weg! Und stürzt euch miteinander in euer gemeinsames, beflügeltes, geglücktes, verschwitztes Vergnügen!!

 

 

Sex mit dir ist mies! Aber ich kann´s dir nicht sagen!

Petra Steiner

Ist Expertin für beflügelte Sexualität. Sie vermittelt in ihren Beratungen den Zugang zu freier, lockerer und luftig gelebter Sexualität. Mit der von ihr entwickelten Methode: 6+1 „In 7 Schritten zu beflügelter, geglückter, verschwitzter Sexualität“, begleitet sie Frauen und Paare auf ihrem Weg in ein erfülltes, glückliches Sexualleben.

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